Die neue Publikation der Kommission Bodenschutz beim Umweltbundesamt (KBU) zeigt, welche zentrale Rolle Böden für einen stabilen Landschaftswasserhaushalt spielen. Das Positionspapier „Effektiver Landschaftswasserhaushalt – Der Boden entscheidet mit!“ wurde gemeinsam mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN), dem Bundesverband Boden e. V. (BVB), der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft (DBG), dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) und der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA) erarbeitet. Anlass sind zunehmende Trockenperioden und gleichzeitig häufiger auftretende Starkregenereignisse. Das Papier zeigt, wie der Wasserrückhalt in der Landschaft gestärkt werden kann – mit besonderem Fokus auf die Rolle des Bodens als Speicher, Puffer und Regulator im Wasserkreislauf.
Warum der Landschaftswasserhaushalt wichtiger wird
Der Landschaftswasserhaushalt ist eine zentrale Grundlage für stabile Ökosysteme, eine sichere Trinkwasserversorgung und eine leistungsfähige Landwirtschaft. Gleichzeitig trägt er dazu bei, die Folgen extremer Wetterereignisse wie Dürre oder Hochwasser abzumildern.
Böden spielen dabei eine Schlüsselrolle. Sie speichern Wasser, geben es zeitverzögert wieder ab und stellen pflanzenverfügbares Wasser bereit. Gleichzeitig wirken sie als Puffer im Wasserkreislauf und beeinflussen, wie schnell Wasser in Gewässer oder Grundwasser gelangt. Diese Funktionen sind für die Anpassung an den Klimawandel besonders relevant. Ein stabiler Landschaftswasserhaushalt kann helfen, Wasser länger in der Landschaft zu halten und extreme Schwankungen im Wasserangebot abzufedern.
Menschliche Eingriffe verändern den Wasserhaushalt
Viele Landschaften in Deutschland wurden in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Maßnahmen wie die Entwässerung von Mooren, Flussbegradigungen, Bodenversiegelung oder Drainagesysteme haben die natürlichen Wasserflüsse verändert. Auch intensive land- und forstwirtschaftliche Nutzung kann die natürlichen Funktionen des Bodens beeinträchtigen. Verdichtete Böden nehmen weniger Wasser auf. Niederschläge fließen schneller oberflächlich ab. Gleichzeitig sinken vielerorts die Grundwasserstände.
Die Folgen sind vielfältig: geringere Wasserinfiltration in den Boden, höhere Erosionsrisiken, beschleunigter Oberflächenabfluss und ein Rückgang der Biodiversität. Vor dem Hintergrund zunehmender Trockenheit und häufigerer Starkregenereignisse wird der Schutz des Landschaftswasserhaushalts daher immer dringlicher.
Mehr Wasserrückhalt in der Landschaft
Das Positionspapier betont, dass der Wasserrückhalt in der Landschaft eine zentrale Aufgabe der kommenden Jahre ist. Dabei kommt der Stärkung der Bodenfunktionen eine besondere Bedeutung zu.
Wichtige Ansätze sind beispielsweise:
- eine bodenschonende Land- und Forstwirtschaft
- eine dauerhafte Bodenbedeckung
- humusmehrende Bewirtschaftung
- die Vermeidung von Bodenverdichtungen
- der Rückbau künstlicher Entwässerungsstrukturen
Auch Landschaftselemente wie Hecken, Kleingewässer oder Agroforstsysteme können den Wasserrückhalt verbessern. Zusätzlich können technische Maßnahmen wie Retentionsbecken oder regulierbare Drainagen eingesetzt werden. Besonders Moore und Auen gelten als wichtige natürliche Wasserspeicher. Ihre Wiederherstellung kann gleichzeitig zum Klimaschutz beitragen.
Integration von Bodenschutz und Wasserbewirtschaftung
Das Positionspapier betont, dass ein effektiver Landschaftswasserhaushalt nur durch ein integratives Management erreicht werden kann. Bodenschutz, Wasserwirtschaft und Landnutzung müssen stärker zusammen gedacht werden.
Neben ökologischen Argumenten sprechen auch wirtschaftliche und rechtliche Gründe für mehr Wasserrückhalt. Eine stabile Wasserverfügbarkeit kann beispielsweise Folgekosten durch Ernteausfälle reduzieren. Gleichzeitig verpflichten europäische Regelwerke wie die Wasserrahmenrichtlinie oder die geplante Bodenüberwachung zu einem besseren Schutz von Böden und Gewässern. Eine konsequente Umsetzung bestehender Programme und Strategien – etwa der Nationalen Wasserstrategie oder des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz – ist daher ein zentraler Baustein.
Zusammenarbeit als Schlüssel
Die Autorinnen und Autoren des Positionspapiers betonen zudem die Bedeutung von Beratung, Bildung und Kooperation. Landwirte, Kommunen, Behörden und Fachinstitutionen müssen enger zusammenarbeiten, um geeignete Maßnahmen umzusetzen. Gleichzeitig sind ausreichende personelle Kapazitäten in Behörden notwendig, um diese Aufgaben langfristig zu begleiten.
Weitere Informationen und Publikationen
Die Publikation „Effektiver Landschaftswasserhaushalt – Der Boden entscheidet mit“ steht auf der Webseite des UBA zum Download zur Verfügung.
