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© Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Projekt DECIDE

Entwicklung und Evaluierung eines ökotoxikologischen, wasserrahmenrichtlinienkonformen Bewertungssystems für Fließgewässer

| Laufzeit: Februar 2021 – September 2024 |

Förderung:
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Kurzbeschreibung

Viele Flüsse und Bäche erreichen trotz umfangreicher Renaturierungsmaßnahmen weiterhin keinen guten ökologischen Zustand. Das Forschungsprojekt DECIDE untersucht deshalb, welche Rolle stoffliche Belastungen dabei spielen und wie sich diese künftig besser bewerten lassen. Gemeinsam entwickeln Forschungseinrichtungen aus Hessen ein neues ökotoxikologisches Bewertungssystem für Fließgewässer.

Wenn Renaturierung allein nicht ausreicht

Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) fordert, dass alle Oberflächengewässer bis 2027 einen guten ökologischen Zustand erreichen. In Deutschland wird dieses Ziel jedoch weiterhin vielerorts verfehlt. Neben morphologischen Veränderungen gelten insbesondere diffuse Schadstoffeinträge als zentrale Belastung für aquatische Ökosysteme.

Für die wasserwirtschaftliche Praxis stellt sich dabei eine entscheidende Frage: Welche Belastungen sind tatsächlich ausschlaggebend dafür, dass ein Gewässer den guten Zustand nicht erreicht? Bislang lässt sich häufig nur schwer unterscheiden, ob vor allem Gewässerstruktur, Nährstoffeinträge oder Schadstoffe die ökologische Qualität beeinträchtigen.

Genau hier setzt DECIDE an. Das Projekt verfolgt einen integrativen Ansatz, der chemische Analysen, biologische Untersuchungen und ökotoxikologische Methoden miteinander verbindet.

Schadstoffwirkungen besser erfassen

Im Mittelpunkt steht das sogenannte effektbasierte Gewässermonitoring. Anders als klassische chemische Analysen erfasst dieser Ansatz nicht nur bekannte Einzelstoffe, sondern auch die biologischen Wirkungen komplexer Stoffgemische. Dafür kommen verschiedene In-vitro- und In-vivo-Testverfahren zum Einsatz. Untersucht werden unter anderem hormonelle, genotoxische, neurotoxische und dioxinähnliche Wirkungen von Wasser- und Sedimentproben.

Ziel des Projekts ist es, ein wasserrahmenrichtlinien-konformes Bewertungssystem zu entwickeln, mit dem sich Belastungen in Fließgewässern differenzierter bewerten lassen. Gleichzeitig sollen die Ergebnisse helfen, Maßnahmen im Gewässerschutz gezielter auszurichten.

Modellregion Hessisches Ried

Als Untersuchungsgebiet dient das Hessische Ried – ein bedeutendes Trinkwassergewinnungsgebiet für die Metropolregion Rhein-Main. Die Region ist gleichzeitig vielfältigen Belastungen ausgesetzt: kommunale Kläranlagen, industrielle Einleitungen, intensive Landwirtschaft sowie Verkehrswege beeinflussen die Fließgewässer im Untersuchungsgebiet.

Untersucht werden Gewässerabschnitte in den Einzugsgebieten von Gersprenz, Modau und Schwarzbach sowie Referenzstandorte im Taunus. Neben stofflichen Belastungen werden auch weitere Einflussfaktoren wie hydromorphologische Veränderungen berücksichtigt.

Bedeutung für Gewässerschutz und Wasserwirtschaft

DECIDE soll dazu beitragen, stoffliche Belastungen in Fließgewässern künftig besser zu erkennen und ihre ökologische Wirkung differenzierter zu bewerten. Der entwickelte Ansatz könnte die bestehenden Monitoringverfahren sinnvoll ergänzen und neue Impulse für die wasserwirtschaftliche Praxis liefern.

Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Spurenstoffbelastungen gewinnt die Verknüpfung von chemischer Analytik und biologischer Wirkungsbewertung zunehmend an Bedeutung. DECIDE leistet hierzu einen wichtigen Beitrag für Gewässerschutz, Monitoring und nachhaltige Wasserbewirtschaftung.

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