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© Stefan Liehr (ISOE)

Hitze erhöht Trinkwasserbedarf: Neue Analyse zeigt steigende Belastungen durch Spitzenbedarfe im Versorgungssystem

Steigende Temperaturen verändern das Verbrauchsverhalten beim Trinkwasser. Eine aktuelle Analyse von Forschenden des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE) zeigt, dass sich bereits ab moderaten Temperaturen Veränderungen im Muster der Trinkwasserabgaben beobachten lassen. Die Auswertungen bestätigen einmal mehr, wie sehr warme Sommertage den Wasserbedarf erhöhen und die Reserven für Spitzenlasten schrumpfen lassen. Die Ergebnisse der laufenden Arbeiten wurden beim Tag der Hydrologie 2026 in Kassel im Rahmen einer Posterpräsentation vorgestellt.

Modellierung von Wasserbedarfen unter sich ändernden Bedingungen

Auf dem Poster „Beanspruchung des Wasserhaushalts: Analyse und Prognose von Spitzenbedarfen“ analysieren Forschende des ISOE Zusammenhänge zwischen Temperatur und Trinkwasserverbrauch am Beispiel der Trinkwasserversorgung durch die Harzwasserwerke. Grundlage der Auswertung sind tägliche Trinkwasserabgaben der Jahre 2013 bis 2024 für ein Versorgungsgebiet mit rund 2 Mio. Einwohnern. In einem ersten Untersuchungsschritt wurden diese mit Klimadaten in Beziehung gesetzt. In weiteren Analyseschritten werden weitere Einflussfaktoren wie kalendarische Effekte und Veränderungen der Demographie und Nutzungseffizienz betrachtet. Ziel war es zunächst, für die betrachtete Region Zusammenhänge zwischen Klima und Wasserverbrauch sichtbar zu machen und darauf basierend Ansätze für eine bessere Abschätzung zukünftiger Spitzenbedarfe zu entwickeln.

Die Analysen sind Teil des vom BMFTR geförderten Forschungsprojekts OPTALS – „Optimale Steuerung von Talsperrensystemen unter sich ändernden Bedingungen im globalen Wandel“. Das Projekt untersucht, wie sich Wasserressourcen und Wassernutzung unter veränderten klimatischen und gesellschaftlichen Bedingungen entwickeln und wie Talsperrensysteme, als wesentliche Komponente der regionalen Wasserversorgung im Untersuchungsgebiet, künftig besser gesteuert werden können.

Die Analysen zielen in ihrer weiteren Vertiefung auf verschiedene, für die Wasserwirtschaft wichtige Zeithorizonte:

  • Kurzfristig (Stunden bis Tage): Unterstützung der operativen Steuerung von Wasserwerken und Hochbehältern
  • Mittelfristig (Wochen bis Monate): Optimierung der Speicherbewirtschaftung, insbesondere der Talsperren
  • Langfristig (Jahre bis Jahrzehnte): Fundierung der strategische Infrastruktur- und Genehmigungsplanung

Zentrale Ergebnisse der Analyse

Die Auswertungen zeigen:

  • Bereits ab Witterungslagen mit etwa 15–20 °C Tageshöchsttemperaturen verändern sich die Verteilungsmuster der Trinkwasserabgaben.
  • Sommertage mit mindestens 25 °C können als Indikator für witterungsbedingte Mehrbedarfe dienen.
  • Häufigere Hitzephasen infolge des Klimawandels könnten die Wasserreserven für Spitzenbedarfe künftig stärker beanspruchen.
  • Die entwickelten Modelle ermöglichen Analysen und Prognosen zukünftiger Verbrauchsspitzen.

Relevanz für die Wasserzukunft in Hessen

Die Erkenntnisse decken sich mit Analysen in anderen Regionen in Deutschland und sind damit strukturell übertragbar. Gerade in Zeiten zunehmender Hitzeperioden wird es wichtiger, den Wasserbedarf besser zu verstehen und mögliche Spitzenlasten frühzeitig abzuschätzen.

„Steigende Temperaturen verändern nicht nur den Wasserhaushalt, sondern auch das Verhalten der Verbraucher“, erklärt Dr. Stefan Liehr vom ISOE und Direktoriumsmitglied im Kompetenzzentrum Wasser Hessen. „Wenn wir diese Zusammenhänge besser für die jeweiligen lokalen Bedingungen verstehen und modellieren können, lassen sich unsere Wasserversorgungssysteme frühzeitig anpassen und Engpässe vermeiden.“

Für Hessen liefern Analysen und Prognosen zukünftiger Verbrauchsspitzen wichtige Entscheidungsgrundlagen und werden beispielsweise in kommunalen und teilräumlichen Wasserkonzepten aufgegriffen. Mit Blick auf Klimawandel, Bevölkerungsentwicklung und Nutzungskonkurrenzen gewinnt eine vorausschauende Planung der Wasserversorgung zunehmend an Bedeutung. Modelle zur Prognose von Spitzenbedarfen können Versorger dabei unterstützen, Speicherbewirtschaftung, Infrastrukturplanung und Betriebsstrategien frühzeitig an zukünftige Herausforderungen anzupassen.

Beteiligte Institutionen

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