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Wissen gemeinsam schaffen: Wege für zukunftsfähiges Wassermanagement

Wie kann Wasserforschung wirksamer in die Praxis gelangen – und dabei gerechter, inklusiver und handlungsorientierter werden? Eine neue internationale Publikation liefert darauf klare Antworten. Die Studie „Co-creating water knowledge: a community perspective“, an der auch die Philipps-Universität Marburg beteiligt war, zeigt: Die gemeinsame Erarbeitung von Wasserwissen mit Praxisakteuren, Kommunen und Zivilgesellschaft ist ein Schlüssel für nachhaltige Lösungen angesichts von Klimawandel, Nutzungskonflikten und wachsender Unsicherheit.

Zentrale Ergebnisse auf einen Blick

Das Autoren-Team argumentiert, dass klassische, rein wissenschaftsgetriebene Ansätze häufig an lokalen Bedürfnissen vorbeigehen. Demgegenüber stärkt die sogenannte Co-Creation of Water Knowledge (CCWK) die Wirksamkeit von Maßnahmen – von der Hochwasservorsorge bis zur Wasserverteilung. Kern ist die gemeinsame Entwicklung von Wissen durch Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft. Die unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen werden dabei systematisch und gleichwertig einbezogen. Vier Leitprinzipien stehen dabei im Mittelpunkt: Inklusivität, Offenheit, Legitimität und Umsetzbarkeit.

Konzept und Studiendesign

Die Publikation ist als internationales Perspektivpapier angelegt und entstand im Rahmen der aktuellen wissenschaftlichen Dekade der International Association of Hydrological Sciences (IAHS) „HELPING – Hydrology Engaging Local People IN one Global world“ (2023–2032). Über 50 Autorinnen und Autoren aus Hydrologie, Sozial- und Ingenieurwissenschaften sowie aus der Praxis haben ihre Erfahrungen zusammengetragen. Grundlage sind gemeinsame Workshops, die Auswertung bestehender Fallstudien aus verschiedenen Weltregionen und ein systematischer Abgleich von Methoden der trans- und interdisziplinären Forschung. Ziel war es einen belastbaren Orientierungsrahmen für Co-Kreation in der Wasserwirtschaft zu entwickeln.

Zentrale Ergebnisse der Studie

  • Co-Kreation verbessert die Praxisrelevanz von Wasserforschung deutlich.
  • Lokales, traditionelles und institutionelles Wissen ergänzt hydrologische Modelle sinnvoll.
  • Machtasymmetrien und blinde Flecken klassischer Forschung können reduziert werden.
  • Frühzeitige Beteiligung erhöht Akzeptanz und Umsetzungschancen von Maßnahmen.
  • Erfolgreiche Co-Kreation braucht klare Rollen, geeignete Moderation und ausreichend Zeit.

Bedeutung für die hessische Wasserzukunft

Auch in Hessen stehen Wasserwirtschaft und Verwaltung vor komplexen Herausforderungen: zunehmende Nutzungskonkurrenzen, häufiger auftretende Extremereignisse und der Anspruch an transparente, partizipative Entscheidungsprozesse. Die Ergebnisse der Studie bestätigen den Weg, den das Kompetenzzentrum Wasser Hessen (KWH) geht: Forschung, Verwaltung und Praxis frühzeitig zusammenzubringen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Co-Kreation ist dabei kein Zusatz, sondern ein zentrales Element für resilientere Wasserstrukturen im Land.

„Wenn wir Wasserwissen gemeinsam mit Kommunen, Verbänden und der Zivilgesellschaft entwickeln, wird Forschung anschlussfähig und handlungswirksam. Genau darin sehen wir eine Kernaufgabe des Kompetenzzentrum Wasser Hessen“, sagt Daniela Triml-Chifflard, von der Philipps-Universität Marburg und Mitglied der KWH-Arbeitsgruppe Soziale Ökologie.

Weitere Informationen

Die vollständige Studie „Co-creating water knowledge: a community Perspective“ ist Open Access verfügbar und bietet zahlreiche Praxisbeispiele sowie weiterführende Empfehlungen für Forschung und Wasserpraxis.

Beteiligte Institutionen (Auswahl)

  • Department of Agriculture, Food, Environment and Forestry, University of Florence, Florence Italy
  • Environmental Governance and TerritorialDevelopment Hub (GEDT) University of Geneva, Geneva, Switzerland
  • Geography Institute and Oeschger Center for Climate Change Research University of Bern, Switzerland
  • Division of Social and Cultural Anthropology and Department of Geography, Philipps-University of Marburg, Germany
  • Department of Environmental Sciences, University of Namibia, Windhoek, Namibia
  • Center for Water Resources and Environmental Studies-CRHEA/EESC,University of São Paulo, Itirapina, Brazil
  • Department of Meteorology, Tri-Chandra Multiple Campus,Tribhuvan University, Katmandu, Nepal
  • Department of Soil & Water Conservation, Bidhan Chandra Krishi Viswavidyalaya, West Bengal, India