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PFAS im Boden: UBA leitet Bewertungsmaßstäbe ab

Eine aktuelle Publikation des Umweltbundesamt (UBA) stellt erstmals eine systematische fachliche Ableitung von Bodenwerten für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) vor. Die Publikation resultiert aus einem Eigenforschungsvorhaben im Rahmen des Ressortforschungsplans des Bundes. Besonders ist der umfassende Ansatz: Für zentrale Wirkungspfade werden konkrete Prüfwert-Vorschläge entwickelt. Die Studie schafft damit eine Grundlage, die eine bundeseinheitliche Bewertung PFAS-belasteter Böden ermöglicht.

PFAS: Persistente Schadstoffe mit weitreichenden Auswirkungen

PFAS sind eine große Gruppe synthetischer Chemikalien. Sie sind extrem stabil und werden in der Umwelt kaum abgebaut. Aufgrund dieser Persistenz werden sie häufig als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet.

Böden spielen im Hinblick auf die Gruppe der PFAS-Chemikalien eine zentrale Rolle. Sie wirken sowohl als Senke für diffuse Einträge als auch als Quelle für weitere Umweltkompartimente. PFAS können aus belasteten Böden in das Grundwasser gelangen und so die Trinkwasserressourcen beeinflussen. Zudem werden sie von Pflanzen, Tieren und Menschen aufgenommen und reichern sich entlang der Nahrungskette an.

Fehlende Regelungen erschweren den Vollzug

Ein zentrales Problem besteht bislang in der unvollständigen regulatorischen Grundlage. Aktuell existieren bundesweit einheitliche Prüfwerte nur für wenige PFAS und ausschließlich für den Wirkungspfad Boden-Grundwasser.

Für andere relevante Pfade – insbesondere Boden–Mensch und Boden-Pflanze – fehlen bislang verbindliche Bewertungsmaßstäbe. Dies führt zu Unsicherheiten im Vollzug und zu uneinheitlichen Entscheidungen in den Bundesländern. Der Bedarf für ergänzende Regelungen wurde bereits vor mehreren Jahren auf politischer Ebene festgestellt.

Neue Prüfwert-Vorschläge für zentrale Wirkungspfade

Die UBA-Studie setzt genau hier an. Sie entwickelt fachliche Vorschläge für Prüfwerte in mehreren zentralen Wirkungspfaden:

  • Boden-Pflanze: Vorschläge für verschiedene PFAS, differenziert nach Futtermittel- und Lebensmittelpflanzen
  • Boden-Mensch (Direktpfad): Vorschlag eines Summen-Prüfwerts für mehrere PFAS sowie ergänzende Werte für einzelne Stoffe

Die Werte wurden in Zusammenarbeit mit Expertengruppen aus Behörden und Wissenschaft erarbeitet. Für den Wirkungspfad Boden-Mensch wurden die Vorschläge bereits fachlich durch Gremien der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz unterstützt.

Datenlücken und Unsicherheiten bleiben bestehen

Trotz der Fortschritte weist die Studie auf bestehende Unsicherheiten hin. Die Datengrundlage ist in vielen Bereichen begrenzt. Insbesondere fehlen:

  • belastbare Daten zum Transfer von PFAS in Pflanzen
  • rechtlich verbindliche Grenzwerte für PFAS in Lebens- und Futtermitteln
  • Kenntnisse zu Hintergrundbelastungen

Daher haben viele der vorgeschlagenen Prüfwerte einen vorläufigen Charakter und müssen künftig weiter abgesichert werden.

Bedeutung für Wasserwirtschaft und Gewässerschutz

Böden sind eine zentrale Schnittstelle im Hinblick auf Schadstoffeinträgen in Oberflächengewässer und das Grundwasser. PFAS können somit aus belasteten Böden auch in das Rohwasser gelangen und langfristig die Trinkwassergewinnung beeinflussen. Einheitliche Bewertungsmaßstäbe für Böden sind daher ein wichtiger Baustein für den vorsorgenden Gewässerschutz.

Einordnung durch das KWH

Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit eines integrierten Umgangs mit PFAS über Umweltkompartimente hinweg. Für das Kompetenzzentrum Wasser Hessen ergeben sich wichtige Anknüpfungspunkte – insbesondere im Bereich Bewertung, Monitoring und Maßnahmenentwicklung.

Die UBA-Publikation liefert hierfür eine fundierte fachliche Grundlage. Gleichzeitig zeigt sie klar: Für eine belastbare Regulierung und Bewertung sind weitere Daten und abgestimmte Methoden erforderlich.

Weitere Informationen und Publikationen

Die Publikation „Ableitung von Bodenwerten für PFAS“ steht auf der Webseite des UBA zum Download zur Verfügung.