Arzneimittelrückstände in Gewässern stellen Wasserwirtschaft und Umweltschutz vor wachsende Herausforderungen. Eine neue Studie des Umweltbundesamtes (UBA) untersucht, wie Umweltinformationen zu Arzneistoffen künftig stärker in Therapie- und Verschreibungsentscheidungen einfließen können. Ziel ist es, Belastungen bereits an der Quelle zu reduzieren.
Neuer Ansatz für den Umgang mit Arzneimittelrückständen
Das Umweltbundesamt hat die Publikation „Arzneimittelindex Umwelt“ veröffentlicht. Die Machbarkeitsstudie wurde im Auftrag des UBA vom Ecologic Institut gemeinsam mit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel sowie der Universität Augsburg durchgeführt.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie ein pharmazeutisches Umweltinformations- und Klassifikationssystem für Deutschland aufgebaut werden könnte. Die Studie untersucht, wie Informationen zum Umweltverhalten von Arzneistoffen künftig besser verfügbar gemacht und in bestehende Entscheidungsprozesse im Gesundheitswesen integriert werden können.
Hintergrund ist die zunehmende Belastung von Gewässern durch Arzneimittelrückstände. Viele Wirkstoffe gelangen nach der Anwendung über das Abwasser in Kläranlagen und anschließend in Flüsse, Seen oder Grundwasser. Gleichzeitig stoßen technische Lösungen wie zusätzliche Reinigungsstufen langfristig an finanzielle und infrastrukturelle Grenzen.
Die Studie verfolgt deshalb einen vorsorgenden Ansatz. Umweltaspekte sollen möglichst früh im Lebenszyklus eines Arzneimittels berücksichtigt werden – etwa bei Therapieempfehlungen oder der Auswahl von Wirkstoffen.
Internationale Beispiele als Vorbild
Für die Untersuchung analysierten die Autorinnen und Autoren bestehende Ansätze aus Schweden, Finnland und Schottland. Besonders Schweden gilt als Vorreiter. Dort existieren bereits seit vielen Jahren öffentlich zugängliche Systeme, die Informationen zum Umweltverhalten von Arzneistoffen bereitstellen und teilweise in Therapieempfehlungen integrieren. Auch in Schottland wird untersucht, wie sich Verschreibungsmuster auf Umweltbelastungen auswirken. Ziel ist es, Umweltinformationen stärker in medizinische Entscheidungsprozesse einzubinden.
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich die internationalen Modelle nicht vollständig auf Deutschland übertragen lassen. Gleichzeitig zeigen die Beispiele, dass Umweltinformationen grundsätzlich in bestehende Strukturen des Gesundheitswesens integriert werden können.
Bedeutung für Wasserwirtschaft und vorsorgenden Gewässerschutz
Aus Sicht der Wasserwirtschaft ist der Ansatz besonders relevant, weil er den Fokus stärker auf Vermeidung an der Quelle legt. Dadurch könnten Einträge bestimmter Spurenstoffe langfristig reduziert werden, bevor sie überhaupt in den Wasserkreislauf gelangen.
Die Studie sieht Potenzial für eine engere Verknüpfung von Gesundheits-, Umwelt- und Wasserpolitik. Vorgeschlagen werden unter anderem öffentlich zugängliche Informationssysteme, die Nutzung bestehender Umweltbewertungsdaten sowie die Integration entsprechender Informationen in Leitlinien, Datenbanken oder Praxissoftware.
Für Deutschland empfehlen die Autorinnen und Autoren ein öffentlich getragenes System unter Beteiligung des Umweltbundesamtes. Umweltinformationen sollen insbesondere dann berücksichtigt werden, wenn mehrere therapeutisch gleichwertige Arzneistoffe zur Verfügung stehen. Die Studie zeigt damit einen möglichen Weg auf, wie vorsorgender Gewässerschutz künftig stärker mit Entscheidungen im Gesundheitswesen verknüpft werden könnte. Neben technischen Maßnahmen in der Abwasserbehandlung rückt damit zunehmend auch die Vermeidung von Stoffeinträgen in den Fokus.
Weitere Informationen und Publikationen
Die Publikation „Arzneimittelindex Umwelt“ steht auf der Webseite des Umweltbundesamtes zum Download zur Verfügung.
