Eine neue Publikation des Umweltbundesamtes (UBA) stellt ein deutschlandweites, modellbasiertes Instrument zur Analyse von Klarwasseranteilen (Anteil behandelten Abwassers) in Oberflächengewässern vor. In einem Projekt für das UBA wurden kommunale Kläranlagen mit dem Wasserhaushaltsmodell LARSIM-ME verknüpft. Dadurch lassen sich natürliche Abflüsse und der kommunale Klarwasseranteil für Gewässerabschnitte erstmals für ganz Deutschland berechnen und in einem interaktiven, szenarienfähigen Werkzeug visualisieren. Dieses kann künftig zur Bewertung möglicher stofflicher Einträge und zur Entwicklung geeigneter Managementstrategien genutzt werden.
Warum der Klarwasseranteil in Gewässern wichtig ist
Der Anteil behandelten kommunalen Abwassers im Fließgewässer ist ein zentraler Indikator für die Bewertung möglicher stofflicher Belastungen. Je höher der Anteil, desto stärker können Einträge aus Kläranlagen die Wasserqualität beeinflussen.
Bislang fehlte jedoch ein deutschlandweites Instrument, mit dem sich dieser Anteil systematisch analysieren und räumlich darstellen lässt. Die neue Studie schließt diese Lücke und stellt ein entsprechendes Modellierungs- und Visualisierungstool bereit.
Datengrundlage und Modellierung
Grundlage des Projekts ist ein deutschlandweiter Datensatz zu kommunalen Kläranlagen. Dieser basiert auf der Berichterstattung zur Kommunalabwasserrichtlinie. Es wurde berücksichtigt, welcher Anteil der Kanalisation als Mischsystem betrieben wird und wie hoch der Trockenwetteranteil an der Jahresabwassermengen ist.
Die Kläranlagendaten wurden anschließend in das Wasserhaushaltsmodell LARSIM-ME integriert. Durch die Kombination mit Pegeldaten konnten für ganz Deutschland folgende Größen berechnet werden:
- natürliche Abflüsse in Fließgewässern
- Anteile behandelten kommunalen Abwassers (Klarwasseranteil)
- Trockenwetterabflüsse aus Kläranlagen
Die Ergebnisse liegen für einzelne Rasterzellen beziehungsweise Gewässerteilstrecken vor und ermöglichen damit eine räumlich differenzierte Analyse.
Interaktives Werkzeug für Analyse und Szenarien
Die Modellierungsergebnisse wurden in die MoRE-DE Toolbox überführt. Das Tool „Abwasserbehandlung“ erlaubt eine dynamische Verknüpfung der verfügbaren Daten und kann für unterschiedliche Fragestellungen genutzt werden.
Das Tool bietet unter anderem die Möglichkeit:
- Klarwasseranteile in Fließgewässern räumlich zu visualisieren
- Szenarien zu analysieren
- potenzielle Risiken stofflicher Einträge zu identifizieren
- mögliche Managementstrategien abzuleiten
Darüber hinaus ist das Werkzeug so angelegt, dass es künftig um weitere fachliche Aspekte erweitert werden kann.
Beitrag zur Bewertung von Gewässerbelastungen
Mit dem neuen Ansatz steht erstmals eine deutschlandweite Grundlage zur Verfügung, um den Einfluss kommunaler Abwassereinleitungen auf Fließgewässer systematisch zu bewerten.
Die Ergebnisse können Fachbehörden, Wasserwirtschaft und Forschung dabei unterstützen, Risiken frühzeitig zu erkennen und Maßnahmen zur Gewässerbewirtschaftung gezielter zu planen.
Weitere Informationen und Publikationen
Die Publikation „Behandeltes kommunales Abwasser in Oberflächengewässern in Deutschland“ steht auf der Webseite des UBA zum Download zur Verfügung.
Zugang zur MoRE-DE Toolbox: https://stoffeintraege-more.de. Das Tool „Abwasserbehandlung“ ist über einen öffentlichen Zugang verfügbar.
