Wie lässt sich die Stickstoffversorgung im Weinbau gezielt steuern, für eine gesicherte Mostqualität ohne zusätzliche Belastungen für Boden und Gewässer? Eine dreijährige Feldstudie der Hochschule Geisenheim University liefert dazu klare Antworten: Die Blattdüngung mit Harnstoff erhöht den für die alkoholische Gärung entscheidenden hefeverfügbaren Stickstoff (YAN) im Rieslingmost deutlich. Gleichzeitig erweist sich die Methode als besonders effizient und umweltschonend.
Wie wurde untersucht?
Die Studie wurde über drei Jahre in einem Riesling-Versuchsbetrieb der Hochschule Geisenheim im hessischen Rheingau durchgeführt. Der Weinberg wurde dafür in mehrere, vergleichbare Abschnitte unterteilt. In jedem Abschnitt kamen alle untersuchten Düngeverfahren zum Einsatz, zufällig verteilt. So konnten Standortunterschiede ausgeglichen und die Verfahren miteinander verglichen werden.
Untersucht wurden acht Varianten der Stickstoffdüngung, darunter:
- klassische Bodendüngung,
- Fertigation (Düngung über das Bewässerungswasser),
- CULTAN (punktuelle Injektion eines stickstoffhaltigen Düngerdepots in den Boden) sowie
- die Blattdüngung mit Harnstoff, bei der ein stickstoffhaltiger Dünger als feiner Sprühnebel auf die Rebblätter ausgebracht wird.
Alle Varianten erhielten die gleiche Stickstoffmenge (50 kg N pro Hektar und Jahr). Zusätzlich wurde eine unbehandelte Kontrollfläche untersucht. Analysiert wurden unter anderem die Stickstoffgehalte in Boden, Blättern und Beeren, der Ertrag, Aminosäuren und der YAN-Gehalt im Most.
Zentrale Ergebnisse der Studie
Die Ergebnisse zeigen, dass nicht die Höhe der Stickstoffgabe entscheidend ist, sondern wie und wann der Stickstoff ausgebracht wird:
- Die Blattdüngung mit Harnstoff steigerte den YAN-Gehalt im Most in allen drei Untersuchungsjahren am stärksten.
- Sie wies zudem die höchste Stickstoffeffizienz auf: Ein größerer Anteil des ausgebrachten Stickstoffs gelangte tatsächlich in die Trauben.
- Klassische Bodendüngung mit Kompost verbesserte die Mostqualität nicht in demselben Maße.
- Fertigation und CULTAN Methoden konnten in einzelnen Jahren positive Effekte erzielen, blieben aber hinter der Blattdüngung zurück.
- Die Erträge blieben bei allen Varianten gleich – die Effekte betreffen die Qualität, nicht die Menge.
- Einige Bodendüngungsvarianten führten zeitweise zu erhöhten Nitratgehalten im Boden.
Warum ist Blattdüngung besonders wirksam?
Bei der Blattdüngung nimmt die Rebe den Stickstoff direkt über die Blätter auf. Der Nährstoff gelangt so schnell in die Pflanze. Dort wird er – genau in der Phase, in der er für die Mostqualität entscheidend ist – gezielt in die Trauben verlagert. Da kaum Stickstoff in den Boden eingetragen wird, sinkt zugleich das Risiko von Nitratauswaschung ins Grundwasser.
„Die Blattdüngung mit Harnstoff erlaubt es, Stickstoff genau dort bereitzustellen, wo er gebraucht wird – in der Rebe und nicht im Boden. Das ist nicht nur aus Sicht der Mostqualität sondern auch des Gewässerschutzes ein klarer Vorteil“, erklärt Prof. Dr. Christoph-Martin Geilfus von der Hochschule Geisenheim University, Direktoriums Mitglied im Kompetenzzentrum Wasser Hessen.
Bedeutung für die hessische Wasserzukunft
Die Landwirtschaft – und damit auch der Weinbau – steht im Zuge des Klimawandels vor einer doppelten Herausforderung: Wasser wird knapper, Trockenphasen nehmen zu, und gleichzeitig steigen die Anforderungen an Qualität und Wirtschaftlichkeit. Gerade unter diesen Bedingungen ist eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung entscheidend, um stabile Erträge und hochwertige Weine zu erzeugen.
Gleichzeitig bleibt die Nitratbelastung von Grund- und Oberflächengewässern in ganz Hessen ein zentrales Thema des Gewässerschutzes. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass es Wege gibt, diesen Zielkonflikt zu verringern. Für das Kompetenzzentrum Wasser Hessen unterstreicht die Studie Perspektiven für einen klimaangepassten, qualitätsorientierten Weinbau im Einklang mit den wasserwirtschaftlichen Zielen Hessens.
Weitere Informationen
Die vollständige Studie „Evaluation of the impact of different nitrogen fertilisation forms and techniques on yeast-assimilable nitrogen (YAN) in Vitis vinifera L. cv. Riesling: A three-year field study“ ist online verfügbar.
